Abgetorftes Moor wiederbeleben

Aktiv Lebensräume gestalten

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Mit rund 6 Jahren habe ich meine Leidenschaft für Reptilien und Amphibien bei Streifzügen durch unser Land entdeckt. Mein Vater war Imker und die ersten Tiere, die wir im Frühjahr unter den alten Eichenbohlen, auf denen die Bienen standen entdeckten waren Mooreidechsen, Schlingnattern, Kröten und Kreuzottern. Von heute auf morgen war ich fasziniert von der Welt der Amphibien und Reptilien. In der 5. Klasse des Gymnasiums brachte ich einmal eine Kreuzotter mit in den Unterricht. Damals wurde ich gerade 10 Jahre alt. Mit dicken Imkerhandschuhen bewaffnet stellte ich die Kreuzotter vor. Überraschenderweise bat mich im Anschluss der Stunde mein damaliger Deutsch- und Biologielehrer, in einem Referat die Kreuzotter vorzustellen. Natürlich gelang mir das nur mit Zeichnungen und handschriftlich in Schönschrift (Computer gab es noch nicht). Am Ende waren es 14 Seiten, die fein säuberlich geschrieben waren und mit Kohlezeichnungen, die Kreuzottern zeigten. Das Tier wurde später am Fundort wieder ausgesetzt, weil ich noch keine Ahnung hatte, dass sehr bald die holländischen Torfarbeiter das Gelände Schlangenfrei machen würden.  Ende der 1960 er Jahre fing ich eine erwachsene Kreuzotter und brachte diese heimlich mit nach Hause. Damals gingen Torfarbeiter die neuen Abbaugebiete durch, um zunächst alle Schlangen zu töten. Dem einzelnen Tier wollte ich helfen und hielt sie versteckt in einem ausgedienten Aquarium. Das war auch das Glück des Tieres, denn nach heutigem Wissen, wäre es ohne ausreichende Lüftung bei Stickluft im Aquarium eingegangen, wenn ich es der Sonne ausgesetzt hätte. Etwa Anfang September dann die Überraschung: Es tummelten sich 6 Jungtiere ebenfalls in dem Aquarium. Nun war ein heimliches Halten nicht mehr möglich, denn auch das Muttertier brauchte Nahrung und musste sich ja auf die Winterruhe einstellen. Also wurden die Tiere kurzentschlossen in die Nähe der Fundstelle der Mutter verbracht, an einen Ort, an dem in den nächsten Jahren noch kein Torfabbau geplant war und sie ruhig aufwachsen konnten. In den 90`er Jahren ging dieses Gelände für die wilden Tiere vollständig verloren, weil eine Autobahn gebaut wurde.

 

Schon 1 Jahr darauf stand im Garten meiner Eltern ein Freilandterrarium mit den Maßen 1,20 m * 2,00 m an einer lichtdurchfluteten Stelle. Eine Saison durften sich die Pflanzen etablieren und schön einwachsen. Das war Heide und Pfeifengras aus dem Moor und am 0,5 m * 0,5 m großen Wasserteil noch eine Schwertlilie. In diesem Sommer zog dann noch ein Zauneidechsenweibchen ein, welches von einer Katze schwerverletzt liegen gelassen wurde. Mühsam erjagte ich immer wieder neue Heuschrecken, Käfer und Spinnen, um die Dame aufzupäppeln. Bei diesen Exkursionen fand ich damals noch eine Blindschleiche, die ebenfalls in das Terrarium einzog. Später zeigte sich, dass die Eidechsendame ebenfalls trächtig gewesen war, ich aber die Eier nicht bemerkt hatte und diese wohl keinen geeigneten Platz gefunden hat, damit alle Jungtiere schlüpfen konnten. Immerhin waren es 2 Jungtiere die in diesem Sommer dann im Terrarium herumflitzten. Schmerzlich wurde mir aber da schon bewusst, dass ich etliche kleine Anfängerfehler bereits gemacht hatte. Das wollte ich ändern, fand jedoch kaum Literatur. Damals war mein Hobby kaum bekannt und Niemand machte sich Gedanken über diese "ekeligen" Tiere; so dachte man damals. 1976 brachte ich aus einem Kanada Aufenthalt 6 Strumpfbandnattern mit, die dann in das Terrarium einzogen. Da sie aus der Umgebung von Montreal stammten und dort ähnliche klimatische Bedingungen hatten, wie in unserer norddeutschen Tiefebene war das eine sehr gute Lösung. Im Folgejahr gab es dann die erste Nachzucht von 12 kleinen Strümpfen, die allerdings wegen ihrer doch sehr sehr geringen Größe Auswege aus dem Terrarium fanden und in den Garten flüchteten, wo sie sicher von Amseln, Krähen etc aufgespürt wurden. Seitdem werden Jungtiere nur noch in separaten Behältern gehalten, schon allein um ihr Fressverhalten und das Wachstum besser beobachten zu können..

 

So sahen unsere Bienenkästen (Beuten) 1963 aus. Unter der Dachpappe und den Holzkonstruktionen, die später für die Bienenbeuten genutzt wurden, lagen jedes Jahr wieder Kreuzottern, Schlingnattern, Mooreidechsen Blindschleichen und manchmal auch Ringelnattern in Eintracht. Obwohl sowohl Kreuzottern, als auch Schlingnattern die Eidechsen und Blindschleichen gerne als Futter betrachten.

Hier war die Besonderheit, dass die Kreuzottern nicht direkt unter Pappe oder Holz lagen, sondern in den Gängen, die die Mäuse dort unter die Konstruktion gegraben hatten.

Im Jahre 1979 erschien das Buch:

Günther Nietzke,

Die Terrarientiere, Band 1: Terrarien-Technik, Futter und Fütterung.

 Ich hatte lange darauf gewartet und kaufte ein Exemplar direkt nach Erscheinen.

 

Im Jahre 1980 und 1981 erschienen dann die Bücher von Ludwig Trutnau, Schlangen I und Schlangen II, die ich ebenfalls von der 1. bis zur letzten Zeile verschlang.

 

Ein Grundstein für besseres Wissen war gelegt und fast jede mögliche Neuerscheinung wurde meiner Sammlung hinzugefügt. Gleichzeitig hatte ich Herrn Trutnau, der leider 2015 verstarb einen Brief geschrieben, der zu einem kleinen fachlichen Austausch von leider nur wenigen Briefen führte.

 

Bereits in den 1980 er und 1990 er Jahren konnte ich in den Kindergärten meiner Kinder Verständnis und Interesse für einheimische Tierarten wecken. Da viele Arten bedroht sind und die Lebensräume durch Landwirtschaft, Flurbereinigung und Industriebauten immer mehr zurück gegangen sind, ist es gerade wichtig, Kindern ein Verständnis für die Zusammenhänge zu vermitteln.

 

2014 begann dann für mich eine neue Ära: Nachdem ich eine Sonntagsveranstaltung des Schulbiologiezentrum Hannover besucht hatte, bot ich auch hier meine ehrenamtliche Mitarbeit an.