Bonsai: Wohltat im Alltagsstreß

Seit Jahrtausenden werden in der asiatischen Kulter Bäume verehrt. Findige Bonsaimeister fanden Mittel und Wege, diese majestätischen Wesen in ein kleineres Format zu bringen und mit dem ästethischen Empfinden des Menschen in Einklang zu bringen. Dabei wird aber die Pflanze selbst mit Respekt behandelt und akribisch geplant.

 

"Auf sicheren Beinen stehen" sagt eine deutsche Redewendung. Das trifft ganz besonders auf einen Bonsai zu. Die Wurzelhälse sind der markanteste Punkt, der einem Bonsai ein majestätisches, starkes und altes Aussehen gibt. Ein Bestandteil meines Unterrichtes ist die Entwicklung eines käftigen Stammfusses.

 

Dieser Wurzelschößling stammt aus dem Jahre 2013. Auf den nächsten Bildern soll einmal die mögliche Entwicklung zu einem Bonsai dargestellt werden. Es handelt sich um einen sogenannten Doppelstamm, dem jedoch eindeutig noch die Strukturen eines altehrwürdigen Baumes fehlt.

 

 

 

 

Der Austrieb nach dem Winter zeigt erstmalig eine Vorstellung davon, wie sich dieser Baum entwickeln könnte. Einiges Tricks verrate ich hier schon. Das spätere Umtopfen in eine flache Bonsaischale ist dann wieder Bestandteil einer neuen Unterrichtseinheit.

Ein ausgewogener Doppelstamm sollte möglichst angenäherte Stammdicken ausweisen. Bei diesem Baum erreiche ich das dadurch, dass ich den oberen Teil des dünneren Stammes stehen und vollständig austreiben lasse. Durch die größere Nahrungsmenge für den Baum, die zur Versorgung der deutlich größeren Krone benötigt wird, wächst der Stammumfang des rechten Stammes unproportional schneller, als der ursprünglich dickere Stamm. Der Prozeß an sich beansprucht aber einen Zeitraum von mehreren Jahren, bis sich ein erkennbares Ergebnis zeigt.

Anfang April 2017 ist der Baum ausgetrieben. Deutlich erkennbar ist der nun etwas dickere rechte Stamm.

Mit dem Finden eines geeigneten Baumes ist es nicht getan. Zunächst einmal muss man herausfinden, wem das Grundstück, auf dem der Baum steht, gehört. Dann ist es notwendig, die Gemeinde, das Forstamt oder auch den Privatmann um das Einverständnis zur Entnahme zu bitten. Eine zufällige Begegnung mit einer der genannten Personen kann recht ärgerlich ausgehen. Der gezeigte Baum sah einmal so aus (nächstes Bild)

Im Frühjahr 2013
Im Frühjahr 2013

Im Juni 2016 hat der Baum eine beachtliche Krone und einen erheblich dickeren Stamm erhalten. Ein Rückschnitt erfolgt immer zunächst unmittelbar nach dem ersten Austrieb des Jahres, oft im April und dann Ende Juni eines Jahres, da im Juli bei Laubbäumen neue Austriebe erfolgen, die dann auf eine dichtere Krone hinarbeiten.

Nach dem Rückschnitt Ende Juni eines jeden Jahres wird die Struktur der erwünschten Form erneut sichtbar. Eine Verdickung am Stammansatz oberhalb der Wurzeln ist nun deutlich erkennbar. Die Wurzeln haben ebenfalls an Dicke zugenommen und wurden vom Regen bereits durch Ausspülen sichtbarer und durch das Längenwachstum des Baumes dicker.

Für dieses Jahr die letzte Pflegemaßnahme im Kurs am 21.08.2016. Jetzt heißt es Geduld haben und abwarten, wie sich dieser Baum im Frühjahr zeigt.

Dieser Baum wurde im Juni 2016 in einen kleineren Topf mit Schalencharakter gepflanzt. Der letzte Schnitt fand am 17.06.16 statt. Am 31.07.16 sieht er bereits wieder so aus. Ein weiterer Schnitt folgt noch.

Nach dem nächsten Schnitt, ein Tag später. Die Krone ist erkennbar und der Austrieb dieses Jahres hat eine Verbesserung des Stammes verursacht.


Ein Baum sieht auch dadurch alt und erwürdig aus, wenn seine Äste nicht so aufstrebend wachsen. Durch Schneelast und Gewicht verlagern sich die Äste eines Baumes immer mehr nach unten. Wie kann man das bei so jungen Bonsai erreichen?

Gerade jetzt im November 2016 und weitestgehen ohne Blätter ist sehr schön anschaulich zu machen, wie man einem Baum ein etwas älteres Aussehen gibt. Nach dieser Maßnahme freue ich mich nun umso mehr auf den Frühjahresaustrieb. Die Äste können auf die gezeigte Art immer wieder ein Stückchen tiefer gezogen erden. Aber: VORSICHT... nicht abbrechen lassen!

Anfang April 2017: Neuer Austrieb trotz des Drahtens. Nun beginnt das weitere Formen mit noch mehr Drähten, denn einige Äste wachsen einfach nur hoch.

Und noch mehr Draht! Im inneren der Krone erhalten die Äste nun mehr Licht und können junge, neue Triebe wachsen lassen. Aber Vorsicht: Durch umschlingen gedrahtete Äste werden schnell dicker und lassen den Draht einwachsen. Da muß man aufpassen und regelmäßig kontrollieren, damit es später keine häßlichen Wunden gibt.

Die einfachste und schnellste Lösung sind fertige Heckenpflanzen aus einer Baumschule oder sogar ein vorgestalteter Baum aus einem Bonsaifachbetrieb, der bereits im Freiland über Jahre getrimmt und auf entsprechendes Wachstum vorbereitet und beschnitten wurde. Die Freude jedoch daran einen eigenen Baum gestaltet zu haben, geht dabei schnell verloren.

Dies ist nur ein Beispiel für eine Gestaltung. Wenn Sie weitere Ideen verwirklichen wollen, vereinbaren Sie einen Termin.

 

Hier einmal eine Liste geeigneter Gehölze für den Schnitt zum Bonsai:

Laubbäume
1. Hainbuche (Carpinus betulus)
2. Buche (Fagus)
3. Ahorn (Bergahorn aber auch japanischer Ahorn) (Acer auch Acer
palmatum)
4. Linde (Tilia Cordata)
5. Weißdorn (Craetaegus)
6. Zwergmispeln (Cotoneaster)
7. Ulmen (Ulmus), auch Rüster, Rusten oder Effe
8. Liguster (Ligustrum communis)
9. Eiche (Quercus)
10. Apfelbaum (Malus)
11. Birke (Bircula pendula und Bircula pubescens)
12. Edel- oder Esskastanie (Castanea sativa)
13. Walnuss (Juglans regia)
14. Weide (Salix)

Nadelbäume
1. Kiefern, Föhren oder Forlen (Pinus) Bergkiefer
2. Fichte (Picea)
3. Wacholder (Juniperus communis)
4. Mädchenkiefer (Pinus parviflora) japanische Form, blaue Nadeln
5. Eibe (Taxus baccata)
6. Europäische Lärche (Larix decidua)


Wollen Sie mehr erfahren? Haben Sie bereits einen Bonsai gestaltet, dem weitere Formengebungen, Tipps, Kniffs und Ausssagekraft fehlen?

Oder wollen Sie einfach einen neuen Baum gestalten?

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